Skip to main content

Von Mensch zu Mensch

In dieser Rubrik möchten wir Betroffenen, die sich entschlossenen haben über ihren eigenen Krankheitsverlauf zu schreiben, Raum geben. Wir erhalten immer wieder Anfragen, ob Pink Ribbon Deutschland Möglichkeiten hat, über Literaturprojekte zu berichten. Niemand kann diese Krankheit, ihren Verlauf mit allen Höhen und Tiefen, die Genesungsphase und den Start in einen meist neuen und intensiven Lebensabschnitt besser beschreiben, als eine Frau, die sich diesem Prozess aussetzen musste. Die Erfahrungen und häufig detaillierten Beschreibungen können sowohl Betroffenen wie auch deren Angehörigen eine große Stütze sein. So erfährt der Leser nicht nur Abläufe während der Behandlungsphase, sondern vor allem auch viel über die psychischen Stimmungsschwankungen, denen eine betroffene Person unterworfen ist. Direkt, offen, häufig dramatisch, oft humorvoll und mit der unglaublichen Kraft, dieses Leben nicht aus der Hand zu geben.

Natalie Kriwy: 14/09 Tagebuch einer Genesung

Die Diagnose Brustkrebs erreichte die Fotografin Natalie Kriwy mit 32 Jahren. Als ein humangenetischer Test ergab, dass sie Trägerin des Gendefekts Typ BRCA1 ist und ein hohes Risiko bestand, erneut an Brustkrebs zu erkranken, entschloss sie sich zu einer beidseitigen Brustamputation. Statt an diesem Schicksalsschlag zu verzweifeln, begann Natalie Kriwy, ihren durch die Krankheit veränderten Körper sowie ihren Alltag in Bildern zu dokumentieren. Zwei Jahre lang fotografierte sie regelmäßig sich selbst, ihre direkte Umgebung, ihre Wohnung, ihr Krankenhauszimmer, sogar den OP-Saal. Ergänzend führte sie ein detailliertes Tagebuch, in dem sie ihre Erlebnisse und Gefühle sehr offen notierte. Und sie sammelte systematisch alles, was mit der Behandlung zusammenhing: verlorene Haare, ausgefallene Augenbrauen, Mützen und vieles mehr. Ihre schonungslos ehrlichen und manchmal sogar humorvollen Bilder zeigen, mit wie viel Kraft, Willen und positiver Haltung Natalie Kriwy durch den Krebs gegangen ist und ihn überstanden hat. Das Buch ist das beeindruckende Resultat einer sehr persönlichen und intimen Lebensobservierung. Eine bewundernswerte Chronik!

Natalie Kriwy wurde 1979 als Deutsch-Französin in München geboren und ist dort aufgewachsen. Ihren BA Editorial and Advertising Photography absolvierte sie am Kent Institute of Art and Design in Rochester. Ihren Master in Neue Medien machte sie an der Pariser École Nationale Supérieure de Création Industrielle. Anschließend zog sie nach Berlin und erwarb an der Universität der Künste einen Master Art in Context. Natalie Kriwy lebt in Lübeck und arbeitet als freie Fotografin für Merian, Stern, The Guardian, Dummy Magazin und andere Medien.

erschienen im Prestel Verlag
ISBN 978-3-7913-8233-3
224 Seiten mit 142 Farbabbildungen, gebunden, 20 x 26 cm
29,95 Euro (D)

Maren Brüsemeister: Die Löwenstarke

Die Autorin erzählt chronologisch von der Zeit zwischen ihrem 41. und 42. Lebensjahr. Ihre Protagonistin heißt Sina Mühlenhoff, doch es handelt sich um ihre eigenen Erfahrungen, die sie in diesem Roman niederschreibt. Die zweifache Mutter erhält die Diagnose Brustkrebs. Sehr sachlich erläutert sie den Verlauf ihrer Krebsbehandlung mit drei Operationen, Chemotherapie und Bestrahlungen. Anonymisierte Arztberichte unterstreichen den dokumentierenden Charakter. So wird zugleich deutlich, in was für eine andere, fremde, mit Fachbegriffen gefüllte Welt die Patientin von jetzt auf gleich hineingerät. Sina Mühlenhoff versucht so gut es geht ihren Alltag aufrecht zu erhalten. Man erkennt, wie wichtig Familie und echte Freundschaften in dieser schwierigen Zeit sind. Das besondere an dieser Lebens- und Krankheitsgeschichte ist die Tatsache, dass die Ärzte etwa sechs Wochen nach der letzten Chemo-Behandlung festgestellen, dass die Autorin schwanger ist – und zwar schon während der gesamten Zeit der Behandlung. Niemand hat Erfahrungen mit einer solchen Konstellation und es ist ungewiss, ob das Kind gesund ist oder durch die aggressive Brustkrebs-Therapie Schaden genommen hat.

Unglaublich, aber wahr: Ein gesundes Mädchen kommt zur Welt – ihr Name lautet Lia, was soviel heißt wie „die Löwenstarke“.

erschienen 2014 im Maren Brüsemeister-Verlag
ISBN 978-3-9816745-0-7
330 Seiten, gebunden, 16,99 Euro

Nicole Staudinger: Brüste umständehalber abzugeben. Mein Leben zwischen Kindern, Karriere und Krebs.

Schonungslos, direkt, mit großer Offenheit und einem verblüffenden Humor – so nimmt Nicole Staudinger die Leser mit in ihr Leben. Ein Leben zwischen Kindern, Karriere und Krebs. Denn Nicole Staudinger erkrankt mit Anfang 30 an Brustkrebs. Der Krebs ist aggressiv, noch dazu stellt sich heraus, dass die Autorin genetisch belastet ist. Mit riesigem Optimismus und gewaltigem Lebensmut geht sie die Situation an. An ihrer Seite stehen ihre Familie und ihre Freunde, die indirekt natürlich ebenso von der Krankheit betroffen sind: Jeder für sich findet einen Umgang mit dem Brustkrebs der Frau / Mutter / Tochter / Freundin und trägt seinen Teil zur Genesung von Nicole Staudinger bei. In klaren Worten erzählt sie ihren eigenen Weg, ihre Bewältigung von „Karl Arsch“ (so nennt sie fast liebevoll ironisch den Knoten in ihrer Brust), sie berichtet sehr ehrlich von ihren Hochs und ihren Tiefs. Und trotz allem spürt man beim Lesen regelrecht ihre herzliche, positive Art.

Übrigens, Nicole Staudinger ist selbständige Trainerin: Unter dem Slogan „Steh deine Frau!“ gibt sie erfolgreich Schlagfertigkeitsseminare für Frauen.

Ein Buch über eine lebensbedrohliche Erkrankung, das Mut macht! Die Autorin teilt ihre Kraft und Zuversicht mit all ihren Lesern – allein das macht dieses Buch absolut lesenswert, ob man nun selbst betroffen ist oder nicht. Wahre Lebensfreude ist für alle wertvoll.

erschienen im September 2015 bei Eden Books
ISBN 978-3-959100-13-7
286 Seiten, 14,95 Euro
auch als E-Book erhältlich

Dr. Petra Zahrt: Auf den zweiten Blick: Brustkrebs. Ein Lesebuch.

Braucht der Mensch Schicksalsschläge, um über Veränderungen in seinem Leben nachzudenken? Wie fliegt 'frau' zu den Sundainseln, wenn sie nach der Diagnose Brustkrebs der tiefe Fall „mitten aus dem Leben“ lähmt? Gibt es Zwischenräume zwischen den Räumen?

Die Autorin gewährt offen Einblicke in ihre Erlebens- und Gefühlswelt nach der Diagnose Brustkrebs. Sie beschreibt ihren Alltag, ihre Ängste und Hoffnungen, Seite an Seite mit dem Brustkrebs. Sie erzählt, wie die Erkrankung ihr Leben auf den Kopf gestellt hat, und macht deutlich, wie verletzlich man in dieser absoluten Ausnahmesituation ist. Dazu gehören Tränen und Verzweiflung genauso wie zuversichtliche und optimistische Momente.

Und sie schreibt: „Aus diesem Kampf will ich als Siegerin hervorgehen.“ Mit ihrem Buch zeigt Petra Zahrt auf sehr berührende und mutige Weise, dass die Diagnose Brustkrebs nicht das Ende sein muss, sondern ein Wendepunkt im Leben sein kann. Ihre Erfahrung ist, dass aktives Mitgestalten stärker macht und Lebensenergien und Selbstheilungskräfte aktiviert.

Ihre Sprache ist lebendig und positiv, einige ihrer Gedanken hat sie in Gedichte gefasst. So nimmt sie ihre Leser mit auf ihren eigenen Weg, den sie gegangen ist, um sich Stück für Stück ihr Leben zurückzuerobern. Das macht Mut und gibt Hoffnung! Sie fordert uns alle dazu auf, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und immer neugierig auf das Leben zu bleiben. Dieses Buch inspiriert und motiviert, es steckt voller Impulse und Denkansätze und kann Bewegung in die eigenen Gedanken bringen.

Manchmal braucht es vielleicht Schicksalsschläge, um über eine Veränderung des eigenen Lebens nachzudenken. Muss es aber nicht. „Auf den zweiten Blick“ macht Lust darauf, gleich anzufangen und querzudenken. Unabhängig von der Lebenssituation kann sich jeder die Frage stellen: Ist das mein Leben, das ich lebe? Jeder Mensch kann sich in jedem Moment neu entscheiden und damit sein Leben selbstbestimmt gestalten. Die Autorin schenkt uns zwischen den Zeilen Sonnenstrahlen, die das Herz erwärmen - denn es gibt sie, die Zwischenräume zwischen den Räumen. Jeder Mensch kann seine eigenen Sundainseln entdecken und damit die kleinen Kostbarkeiten, die das Leben so bereichern, in die eigenen Hände nehmen.

Ein Buch das begeistert, berührt, fasziniert, anregt, inspiriert und einfach Spaß macht, zu lesen. Ein Buch für ALLE.

erschienen 2015
Taschenbuch farbig, 150 Seiten, 25 Euro
Taschenbuch s/w, 198 Seiten, 14 Euro
Kindle Edition, 5 Euro
http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=petra%20zahrt&sprefix=petra+zah%2Cstripbooks

Alexandra Graumann: Paget K., der hinterlistige Wandersmann...

Das Buch beschreibt die seltene Form Paget Karzinom von Brustkrebs. Dieser Brustkrebs macht sich nicht durch einen Knoten bemerkbar. Er tritt in Form eines harmlos scheinenden Ekzems auf. Im Bereich der Brustwarze oder des Warzenhofs bildet sich eine schuppende Rötung, die sehr stark an Schorf erinnert. Diese Erscheinung legt sich jedoch auch über längere Zeit nicht, das scheinbare Ekzem heilt nicht. Die Diagnose kann nur durch eine Gewebeentfernung sicher bestätigt oder entkräftig werden.

Gleich zu Anfang wird klargestellt, dass es sich um ein aufrüttelndes, ehrliches und bewegendes Buch handelt - die erste Seite:

Gewidmet ist dieses Buch allen Frauen, Kindern und Männern

die vor mir,
mit mir,
und nach mir

denselben und doch ganz anderen Weg gehen oder gegangen sind. Die hier stehen, kampfbereit, und sich nicht unterkriegen lassen. Und denjenigen Menschen, die es nicht geschafft haben und uns zeigen, dass wir dieser Krankheit mit größtem Respekt entgegentreten sollten.

Ich bin Alexandra, 41 Jahre alt, hatte schwarzes, mittellanges Haar, bin 1,76 m groß und gute 15 kg zu schwer - oder einfach nur zu klein für mein Gewicht. Die, die mich NICHT kennen, sagen über mich ich hätte eine große Klappe, bin selbstbewusst, stark, arrogant und eine blöde Kuh. Die, die mich kennen, sagen über mich ...

Machen Sie sich auf eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Thema gefasst. Und darauf, keinen klagenden Menschen zu erleben, sondern mitten hineinzustürzen in ein Leben, das gelebt werden will. Das Buch hat seinen Titel, weil Alexandra den Krebs für sich so bezeichnet hat. Ein Wandersmann kommt, begleitet einen ein Stück und dann - dann muss er auch wieder gehen.

Zu beziehen unter der ISBN: 978-3-8448-1073-8 bei Amazon.de, Buch.de oder www.bol.de sowie über jede Buchhandlung per Bestellung.

Tanja Topac: Dem Tod ins Gesicht gelacht oder: Wie Dick und Doof mein Leben verändert haben.

In ihrem Buch beschreibt Tanja Topac, 42 Jahre, den Verlauf ihrer Brustkrebserkrankung, Höhen und Tiefen während der Behandlungs- und Rehaphase und die Neuausrichtung ihres Lebens. Vor allem aber beschreibt sie sehr eingehend, mit welchen Situationen sie klar kommen musste und welche Enttäuschungen sie bewältigen musste. Dick und Doof sind die Protagonisten, gegen die sie angekämpft hat - denn so hat sie die beiden Knoten in ihrer Brust genannt. Und von Dick und Doof wollte sie sich nicht in die Knie zwingen lassen, "das wäre doch gelacht". 

Es ist ein Buch, das vor allem auch für das engere und weitere Umfeld von Betroffenen wichtige Botschaften enthält. Und es zeigt, dass sich viele Fehler im Freundeskreis oder auch von Ärzten und Pflegepersonal vermeiden lassen. Von kühler, teils abweisender Behandlung bis hin zu sehr persönlichen Beziehungen wird die ganze Bandbreite menschlichen Handelns aufgezeigt. Nicht anklagend, aber doch sehr deutlich in der Aussage, dass ein Krebspatient, wie jeder andere Patient auch, keine Ware ist, sondern ein Individuum, das vor allem eines braucht: menschliche Nähe, Offenheit und das Gefühl, wahrgenommen und nicht einfach nur verwaltet zu werden. 

Wichtig ist die Beschreibung der persönlichen Gefühlswelt während der Chemo und der Bestrahlung. Die Auswirkungen der Behandlung sind lebensbestimmend in dieser Phase. Für Außenstehende leider kaum zu begreifen oder auch nur im Ansatz zu verstehen. Aber gerade darin liegt eine der Kernbotschaften: "Haltet zu mir, sagt mir nicht, wie etwas zu sein hat, sondern ertragt einfach meine Stimmungs- und Gemütsverfassungen. Wenn ihr einen geliebten oder befreundeten Menschen während einer einscheidenden Krankheitsphase erleben dürft oder müsst - denkt immer daran: Niemand verhält sich gegenüber Freunden und Bekannten einfach nur so ablehnend, forsch oder gar anklagend. Es gibt Phasen während einer Krebsbehandlung, da zählt nur noch, dass man selbst nicht untergeht."

Ganz besondere Bedeutung in diesem Buch hat die Beziehung von Tanja Topac zu ihrem Mann und der Familie. Glücklicherweise hatte sie hier Unterstützung, die man jedem Menschen nur wünschen kann - auch wenn er gesund ist. Ohne es wirklich niederzuschreiben, gelingt es Tanja Topac, dem Leser klarzumachen, wieviel er zu einem positiven Behandlungsverlauf beisteuern kann. Sie zeigt indirekt auf, wo die Chancen liegen und wo die Grenzen, die es zu berücksichtigen gilt, ohne die Zuneigung des anderen in Frage zu stellen.

Zu beziehen unter der ISBN: 978-3-941930-93-3 bei: amazon.de, libri.de, weltbild.de, buecher.de