Für Familie und Freunde
Bei einer Krebsdiagnose sind die Menschen im Umfeld indirekt mitbetroffen.
Einfach da sein
Wenn jemand, der dir nahesteht, die Diagnose Brustkrebs erhält, gerät auch für dich vieles ins Wanken. Du möchtest unterstützen, Angst nehmen, Halt geben – und hast gleichzeitig selbst Sorgen, Fragen und oft auch das Gefühl, nicht zu genügen. Wir haben Tipps für dich zusammengestellt, wie du mit dieser Situation besser umgehen kannst.
Überforderung, Hilflosigkeit, Wut und Trauer – diese Gefühle sind normal. Vielleicht erlebst du sie sogar alle an einem Tag. Denn eine Brustkrebsdiagnose ist auch für die Menschen im Umfeld eine sehr große Belastung. Es ist daher wichtig, dass du im Blick behältst, wie es dir selbst geht. Scheu bitte nicht davor zurück, dir Unterstützung zu holen, wenn dir alles zu viel werden sollte. Es gibt professionelle Angebote speziell für Angehörige – erfahre bei unserem Partner daskrebsportal.de mehr über psychoonkologische Beratung, spezialisierte Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Sie beantworten deine Fragen und geben dir Tipps, wie du gut für andere da sein kannst, ohne dich selbst zu verlieren.
Partnerschaft: Balance zwischen Nähe und Freiraum
Wenn deine Partnerin an Brustkrebs erkrankt ist, betrifft die Diagnose euch als Paar in einer sehr intimen Weise. Neben der Sorge um die Gesundheit mischen sich Fragen zu eurer gemeinsamen Zukunft, zu Nähe, Sexualität, Rollenverteilung und finanzieller Sicherheit. Was eben noch selbstverständlich war – gemeinsam planen, körperlich nah sein, den Alltag teilen – kann plötzlich brüchig werden oder sich ganz anders anfühlen.

© fizkes/istock
Offener Umgang mit Gefühlen und praktischen Aspekten
Euch steht eine schwere Zeit bevor. Umso wichtiger ist es, dass ihr versucht, möglichst offen miteinander zu reden. Das bezieht sich nicht nur auf Gefühle, sondern auch auf praktische Aspekte im Alltag. Einerseits solltest du deine Partnerin entlasten, indem du dich um möglichst viele organisatorische Aspekte kümmerst, Tätigkeiten im Haushalt übernimmst, die Kinder zur Schule fährst und so weiter.
Andererseits ist es für deine Partnerin entscheidend, dass du sie nicht bevormundest oder stärker schonst, als sie es wünscht. Wenn sie Aufgaben weiterhin selbst erledigen oder weiterhin zur Arbeit gehen möchte, respektiere das bitte. Vielen Frauen hilft es, in dieser Situation möglichst viel „Normalität“ aufrechtzuerhalten. Gesteh ihr diesen Freiraum zu und nimm es nicht persönlich, wenn sie sich auch mal zurückzieht oder Sorgen mit anderen Menschen bespricht.
Nutzt euer Netzwerk
Achte darauf, dass ihr euch nicht abkapselt und nimm Unterstützungsangebote von anderen Familienmitgliedern, Freund:innen und Bekannten an, wenn es für euch passt. Soziale Kontakte können eine große Hilfe sein. Andere Menschen sorgen für Ablenkung und sind vermutlich froh, wenn sie euch entlasten können, indem sie zum Beispiel die Kinder abholen oder beim Haushalt helfen. Entscheidet aber immer gemeinsam, welche Hilfe ihr annehmt!
Ihr bleibt ein Paar, aber vieles verändert sich
Körperliche Veränderungen durch Operationen, Chemotherapie oder Hormonbehandlungen verunsichern deine Partnerin womöglich. Vielleicht hat sie Angst, dass du sie nicht mehr attraktiv findest, oder ihr eigenes Verhältnis zum Thema Sexualität ist ein anderes geworden.
Auch nach der akuten Phase der Behandlung kann es daher dauern, bis ihr körperlich wieder zueinander findet. Offene, respektvolle Gespräche sind hilfreich. Versucht, neue Formen von Nähe zu finden, etwa Berührungen ohne Leistungsdruck, Massagen oder Kuscheln.
Du brauchst Unterstützung
Auch als Partner:in darfst du erschöpft sein – selbst wenn die Erkrankung eigentlich den anderen betrifft. Manchmal ist es entlastend, mit jemandem außerhalb der Beziehung über Schuldgefühle, Ambivalenzen und Zweifel zu sprechen, ohne befürchten zu müssen, die erkrankte Person zusätzlich zu belasten.
Such dir daher Menschen, denen du vertraust und mit denen offen reden kannst. Zusätzlich kannst du dich beispielsweise an Beratungsstellen oder Psychoonkolog:innen (lies weiter bei unserem Partner daskrebsportal.de) wenden. Sie sind auch für Angehörige da! Ihr könnt auch gemeinsam Termine vereinbaren, wenn ihr über eure Situation als Paar sprechen möchtet.
Familie & Freund:innen: Ehrlichkeit schafft Nähe
Du stehst einer Frau sehr nahe, die Brustkrebs hat, lebst aber nicht mit ihr zusammen? Du musst nicht wissen, was richtig ist. Richtig oder falsch gibt es nicht. Was hilft, ist meist einfacher, als du denkst: präsent sein, zuhören, Fragen stellen, statt Ratschläge zu geben. Du darfst sagen: „Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll, aber ich bin da.“ Das nimmt den Druck, tröstende Floskeln zu finden, und öffnet die Tür für Ehrlichkeit auf beiden Seiten.

© Stella Wolkenaer
Entscheidungen respektieren
Oft tut es gut, konkret anzubieten, was du übernehmen kannst – eine Fahrt zur Klinik, Einkäufe, Kinderbetreuung, ein gemeinsamer Spaziergang, das Sortieren von Unterlagen.
Manche Betroffene möchten viel reden, andere brauchen viel Ruhe und ziehen sich häufig zurück. Versuch, aufmerksam zu beobachten, wie dein Gegenüber reagiert, und frage im Zweifel nach: „Magst du darüber sprechen oder sollen wir heute lieber über etwas anderes reden?“ Respektiere, wenn die erkrankte Person Entscheidungen trifft, die du nicht teilen kannst – etwa, welche Therapien sie möchte oder welche Informationen sie an wen weitergibt. Auch das ist eine Form von Unterstützung: die Selbstbestimmtheit des anderen zu achten. Denn jeder Mensch ist anders. Sei daher vorsichtig mit Ratschlägen.
Das gilt übrigens auch für die Einstellung. Üb keinen Druck aus durch einen Satz wie: „Du musst positiv bleiben.“
Auf die eigenen Grenzen achten
Wenn dein Verhältnis zu der betroffenen Frau sehr eng sein sollte, brauchst du womöglich selbst Entlastung. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn du merkst, dass du Gespräche mit Freund:innen, eine Auszeit im Grünen oder professionelle Unterstützung brauchst, um mit der Situation klarzukommen. Angehörige geraten sonst schnell an ihre Grenzen und spüren erst spät Erschöpfung, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden oder depressive Symptome. Je früher du dir Hilfe holst, desto besser kannst du langfristig da sein.
Langfristig begleiten
Eine Brustkrebsdiagnose verändert alles. Sie nimmt das Gefühl von Sicherheit. Viele Frauen stellen sich existenzielle Fragen, wollen Grundsätzliches ändern. Hinzu kommen Ängste, die auch nach der akuten Behandlungsphase bei jeder Kontrolluntersuchung wieder stärker werden. Bitte sei daher geduldig und hab Verständnis dafür, wenn die betroffene Frau auch später immer mal wieder über die Erkrankung und die damit verbundenen Veränderungen reden möchte. Das ist für Außenstehende nicht immer leicht nachzuvollziehen und wahrscheinlich wünschst du dir, das Thema schnell „hinter euch zu lassen“. Großartig wäre es aber, wenn du langfristig für die Erkrankte da sein könntest.
Kinder & Jugendliche: altersgerechte Informationen
Wenn Kinder oder Jugendliche mitbekommen, dass ein Elternteil oder eine andere wichtige Bezugsperson Krebs hat, spüren sie meist sehr früh, dass etwas nicht stimmt – lange bevor offen darüber gesprochen wird. Sie beobachten Veränderungen im Verhalten, in der Stimmung, im Alltag, und beginnen, sich selbst Erklärungen zurechtzulegen. Ohne kindgerechte Information entstehen schnell Schuldgefühle, diffuse Ängste oder Fantasien, die belastender sein können als die Realität.

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Gespräche helfen
Ob du Mutter, Vater, Großelternteil, Tante, Onkel oder vertraute Bezugsperson bist: Kinder brauchen dich jetzt als verlässlichen Menschen, der nicht alles beschönigt, aber auch nicht überfordert. Fachstellen empfehlen, Kinder möglichst früh, ehrlich und ihrem Alter entsprechend zu informieren, wenn eine Krebserkrankung vorliegt. Es hilft, klare Worte zu verwenden – „Krebs“, „Erkrankung“, „Therapie“ – und zu erklären, was das konkret für den Alltag bedeutet: etwa, dass Mama häufiger im Krankenhaus ist, weniger Kraft zum Spielen hat oder ihr die Haare ausfallen können.
Ganz wichtig ist die Botschaft: Krebs ist nicht ansteckend, und das Kind trägt keine Schuld daran. Diese Aussage darfst du immer wieder wiederholen, weil Kinder dazu neigen, nach Gründen zu suchen und vermeintliche Fehler bei sich selbst zu finden. Ebenso wichtig ist es, dem Kind zu signalisieren, dass alle Gefühle erlaubt sind: Angst, Wut, Traurigkeit, aber auch Freude und Ablenkung. Jugendliche reagieren manchmal mit Rückzug, Gereiztheit oder scheinbarem Desinteresse – oft ist das eher ein Schutzmechanismus als fehlende Betroffenheit.
Professionelle Unterstützung
Du musst nicht alle Fragen sofort beantworten. Du kannst sagen: „Das weiß ich gerade nicht, ich frage nach“ oder „Darüber muss ich erst nachdenken“. Es gibt spezialisierte Angebote für Familien mit an Krebs erkrankten Müttern, wo du Material, Beratung und Unterstützung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen bekommst. Sie helfen dir, Worte zu finden, Gespräche vorzubereiten und auch die Bedürfnisse der Kinder im Blick zu behalten, wenn du selbst sehr belastet bist.
Bei unserem Partner daskrebsportal.de findest du weitere Informationen dazu, wie du mit Kindern über eine Brustkrebserkrankung sprechen kannst.
Bekanntenkreis: keine falsche Zurückhaltung
Du bist Kollegin, Nachbarin, Mitglied im Verein oder im loseren Freundeskreis einer betroffenen Person? Dann fragst du dich vielleicht, ob du dich melden sollst, ob das zu viel ist oder ob du dich aufdrängst. Viele Krebspatient:innen berichten, dass sich Bekannte aus Unsicherheit zurückziehen – das ist schmerzhaft. Gleichzeitig fällt es vielen Betroffenen schwer, aktiv um Unterstützung zu bitten.

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Kontakt aufnehmen
Auch wenn du nicht zur engsten Familie gehörst, kannst du ein wichtiger Teil des Netzwerks sein. Ein kurzer Gruß, eine Karte, eine Nachricht mit der Frage „Magst du erzählen, wie es dir geht?“ oder „Darf ich dir etwas aus dem Supermarkt mitbringen?“ kann schon zeigen, dass du an die Person denkst. Du musst nicht in tiefe Gespräche einsteigen, wenn euer Verhältnis nicht so eng ist. Nimm es dabei bitte nicht persönlich, falls du nicht immer eine Antwort bekommst. Bleib am Ball! Denk dran: Am Anfang bieten viele Menschen Hilfe an, aber je länger eine Behandlung dauert, desto kleiner wird oft das unterstützende Umfeld. Umso schöner ist es, wenn du dich auch nach Monaten hin und wieder meldest und die betroffene Frau einbeziehst, etwa in die Freizeitplanung im Bekanntenkreis. Möglicherweise ändert sich euer Verhältnis dadurch sogar – und ihr kommt euch näher.
Eine Kollegin im Arbeitsalltag entlasten
Im beruflichen Umfeld ist es hilfreich, gemeinsam zu überlegen, wie Arbeitsbelastung, Termine oder Verantwortlichkeiten angepasst werden können. Vielleicht kannst du Aufgaben übernehmen, Vertretungen organisieren oder dich dafür einsetzen, dass flexible Lösungen wie Homeoffice oder Teilzeit möglich werden. Wenn du unsicher bist, was passend ist, sprich es an: „Ich möchte dich unterstützen, weiß aber nicht genau wie. Gibt es etwas, was dir gerade helfen würde?“
Es ist in Ordnung, wenn du selbst Berührungsängste hast oder dich von der Situation verunsichert fühlst. Krebs konfrontiert auch Menschen im Umfeld mit der eigenen Endlichkeit und mit Themen, denen man lieber ausweichen würde. Du musst kein Profi sein, um zu helfen.

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