Dr. Julia Schnelle, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Mrs World, Westernreiterin
Warum engagierst du dich für Pink Ribbon Deutschland?
In meinem Beruf erlebe ich täglich, wie stark psychische und körperliche Erkrankungen nicht nur den einzelnen Menschen, sondern ganze Familiensysteme betreffen. Wenn eine Mutter an Brustkrebs erkrankt, verändert sich das Leben aller Beteiligten – emotional, organisatorisch und oft auch existenziell. Deshalb ist es mir wichtig, nicht nur medizinische Versorgung zu betrachten, sondern auch die psychosozialen Ressourcen von Familien zu stärken. Pink Ribbon Deutschland verbindet Aufklärung, Unterstützung und Menschlichkeit auf eine Weise, die Betroffene wirklich erreicht.
Mit Projekten wie Pink Ribbon Pony möchte ich zusätzlich Räume schaffen, in denen Familien neue Kraft schöpfen können – außerhalb des klinischen Umfelds, mit positiven Erfahrungen, Selbstwirksamkeit und Begegnungen, die Hoffnung geben. Gerade solche Momente können helfen, Stabilität aufzubauen und schwierige Lebensphasen besser zu bewältigen. Dieses Zusammenspiel aus wissenschaftlichem Verständnis, emotionaler Unterstützung und konkreten positiven Erfahrungen motiviert mich in allen Lebensbereichen, und ich freue mich sehr, es für Pink Ribbon Deutschland einzusetzen.
Welche persönliche Botschaft möchtest du transportieren?
Verstehe deinen Körper und deine Psyche – je genauer, desto besser. Physiologische Prozesse, emotionale Reaktionen und psychische Belastungen sind keine Zufälle. Sie sind die Art und Weise, wie unser Körper mit uns kommuniziert. Wenn wir lernen, diese Signale zu lesen und ernst zu nehmen, entsteht Zusammenarbeit und Fürsorge. Wir können verstehen, wann wir Energie brauchen, wann wir Unterstützung geben können und wann wir uns schützen müssen. Dieses Verständnis ermöglicht es, auch in extremen Situationen Stabilität zu schaffen und Schritt für Schritt den Weg zur Gesundung anzugehen.
Aus medizinischer und psychotherapeutischer Sicht bedeutet das auch, mentale Gesundheit immer im Gesamtsystem zu betrachten. Eine Erkrankung betrifft nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch Bezugspersonen wie Partner und Familien. Gerade Kinder reagieren sensibel auf Veränderungen und brauchen Stabilität, Orientierung und emotionale Sicherheit.
Meine Botschaft ist daher klar: Wenn wir lernen, die Signale unseres Körpers und unserer Psyche zu verstehen, können wir Ressourcen gezielt stärken — bei Frauen, bei Familien und besonders bei Kindern. So entsteht nicht nur Bewältigung, sondern Prävention, echte Resilienz und langfristige Stabilität.
Was tust du für deine Gesundheit?
Für mich bedeutet Gesundheit, physiches, mentales und soziales Wohlbefinden. Die eigenen Stressoren zu kennen, Ressourcen bewusst zu schützen und zu stärken ist essentiell. Gleichzeitig erlebe ich selbst Phasen mit sehr hoher Belastung, insbesondere durch internationale Zusammenarbeit, Projekte und medizinische Anforderungen, die nicht immer optimal aufeinander abgestimmt sind und manchmal geballt auftreten. In solchen Situationen ist Priorisierung entscheidend. Eine meiner wichtigsten Strategien ist dabei, die Familie an erste Stelle zu setzen. Sie ist für mich der wichtigste Ort zum Auftanken – denn wir können nur geben, was wir selbst an Ressourcen zur Verfügung haben.
Gesundheit bedeutet also auch, bewusst mit Herausforderungen umzugehen, Prioritäten zu setzen und die eigenen Ressourcen immer wieder neu zu stärken.
Was gönnst du dir?
Bei mir ist das ganz klar Schokolade – ein kleiner Moment, der mir im Alltag bewusst Freude schenkt, aber auch eine besondere Tasse Tee oder secondhand-shopping. Darüberhinaus gönne ich mir bewusst Auszeiten durch Reisen. Diese Zeiten helfen mir, neue Perspektiven zu entwickeln und wieder Kraft zu sammeln. Gerade dieser Wechsel zwischen intensiven Arbeitsphasen und bewusst eingeplanten Erholungszeiten hilft mir, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Wie sammelst du Kraft in schwierigen Momenten?
Ich glaube, dass jeder Fortschritt, jedes Wachstum, jede Heilung und jede Resilienzbildung bedeutet, dass man sich außerhalb seiner Komfortzone bewegt. Das Wissen, dass sich wichtige Entwicklungen manchmal unangenehm anfühlen können, hilft mir, diese Phasen eher anzunehmen und mich bewusst auf den Prozess einzulassen.
Kraft finde ich dabei vor allem im Vertrauen – in den Prozess, in die eigenen Fähigkeiten, in den eigenen Instinkt, in die Menschen, die mir nah sind, und in die Dinge im Alltag, die Freude und Stabilität geben.
Außerdem hilft es mir sehr, ein Projekt zu haben, das positive Gefühle weckt, das mir zeigt, dass menschliches Potenzial oft von Grenzen umgeben ist, die wir selbst geschaffen haben. Auch in der medizinischen Forschung und gerade in der Krebsforschung geht es darum, diese Grenzen ständig zu hinterfragen und Patient:innen auch zum Beispiel mit tiergestützten Interventionen optimale Heilungsmöglichkeiten und vor allen Dingen auch Präventionsmechanismen zu geben.

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